Alima, eine von 120 Kangalen aus Twistringen |
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(Die Bilder können durch "anklicken" vergrößert werden.) |
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| Eigentlich begann alles mit einem Kurztrip nach Finnland. Einer meiner Söhne leistet dort seinen Militärdienst ab und wurde am 24.08. 2007 vereidigt. Ich fuhr dorthin, um dieser Zeremonie beizuwohnen. Als ich in der Nacht vom 27./28.08. wieder zuhause ankam, begrüßte mich meine Frau mit den Worten "wir müssen eine alte Kangal-Zuchthündin bei uns aufnehmen". Ehrlich gesagt, war ich zu diesem Zeitpunkt etwas "platt". Durch die Aufnahme des Not-Rüden "Zeycan" im Jahr 2006 war unsere selbst gesetzte Rudelgröße von 4 Hunden erreicht. | |||
Doch was soll's - Entscheidungen sind dazu da, um auch korrigiert zu werden. |
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| Der Hintergrund: In der Nähe von Twistringen (bei Bremen) existiert schon seit mehreren Jahren ein Kangalzuchtbetrieb. Erstmals erfahren hatte ich von diesem im Jahr 2006 durch eine Anzeige. Als ich bei Nachfragen erfuhr, dass dort zeitweise über 100 Hunde gehalten und die Welpen zum großen Teil über türkischsprachige Zeitungen in Deutschland angeboten werden, nahm ich mir vor, dort einmal nachzuschauen. Das verblieb jedoch aus mehreren Gründen. Andere Hundefreunde waren da konsequenter (und schneller) und alarmierten im August 2007 das zuständige Veterinäramt. Die Haltungsbedingungen der Hunde hatten sich in den letzten Monaten extrem verschlechtert. Am Samstag, den 25.08.07 war es dann soweit. In Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt und der Polizei begann eine Gruppe Hundefreunde Hunde aus der "Zuchtanlage" abzutransportieren. Hier ein Bericht |
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| Parallel dazu erschien auch in mehreren Internetforen ein Hilfsaufruf, um Sachspenden und Unterbringungsplätze für die ca. 120 Hunde zu finden. Davon hatte nun meine Frau erfahren. Ihr Gedanke dabei: Die Welpen und jüngeren Hunde finden sicher recht schnell einen Platz, doch was ist mit den alten "Gebährmaschinen"? Wo landen die? Die Antwort auf die Frage war folgerichtig: Eine davon landet bei Schaper's! |
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| Und so "durfte" ich nach meiner Rückkehr aus Finnland am 29.08. dem Verein Herdenschutzhund-Service (Koordinator der Befreiungsaktion) das Angebot unterbreiten, eine ältere Hündin bei uns aufzunehmen. Umgehend erhielt ich auch am nächsten Tag die Antwort, dass man sich freue, eine ältere Zuchthündin, die sich anscheinend schon aufgegeben hat, bei uns unterbringen zu können. Ergänzend wurde mir noch telefonisch mitgeteilt, dass am Freitag, den 31.08. die nächste Abholaktion in Twistringen stattfindet und ich dort die Hündin in Empfang nehmen könne. |
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| Und nun beginnt die Geschichte von Alima bei den Schaper's. | |||
| Am Freitag fuhr ich also mit unserem VW-Bulli nach Twistringen. Ich fand dort eine kleine Schar Hundefreunde (sogar aus Holland) vor. Unter Begleitung der örtlichen Polizei betraten wir um 15.00 Uhr das Grundstück. Die Zustände waren schon recht "gewöhnungsbedürftig". Verschlammte und mit Brennesseln zugewachsene Zwinger, vergammelte Hundehütten, dazwischen Hunde. Alle zwar recht freundlich, doch schlecht ernährt und teilweise mit deutlichen Hinweisen auf Knochenschäden an den Gelenken und der Wirbelsäule. |
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| In einem einzelnstehenden kleinem Zwinger am Hauseingang fand ich dann auch Alima (damals noch "Bodschi". Zur Erklärung: Meine Frau und ich hatten uns tagszuvor auf einen neuen Namen geeinigt, da wir nicht wussten, ob der bisherige Name "Bodschi" von der Hündin eventuell negativ verknüpft wird.). Sie lang apathisch in ihrer vergammelten Hütte, bedeckt von Fliegen. Keinerlei Reaktionen. Auch vorsichtshalber mitgebrachte Fleischwurststücke konnten sie nicht aus ihrer Reserve locken. So blieb mir nichts anderes übrig, als sie zusammen mit zwei freundlichen Helferinnen aus der Hütte zu ziehen und zum Bulli zu tragen. Wir fuhren dann umgehend Richtung Heimat, um Alima möglichst schnell aus ihrem "Autogefängnis" entlassen zu können. |
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| Die erste Nacht verbrachte Alima in unserer Waschküche, getrennt vom restlichen Rudel. Gefressen hat sie noch nichts, nur getrunken, getrunken, getrunken. Dann kam der erste richtige Tag bei uns. Wir waren nun gespannt, was wir uns da eingefangen hatten. Es stellte sich heraus: Alima ist - ablehnend Männern gegenüber - ablehnend anderen Hunden gegenüber - extrem scheu - sehr geräuschempfindlich - aber augenscheinlich körperlich gesund, wie wir meinen. Der Gang in unseren Garten endete zunächst mit einem Verkriechen in der hintersten Ecke unter Büschen. |
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| Damit war uns zunächst klar, dass wir Alima ausreichend Zeit geben mussten, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen und damit sie feststellen kann, dass es auch Menschen (speziell Männer) gibt, denen sie vertrauen kann. Das Dasein mit unseren nun 5 Hunden wurde etwas kompliziert. War Alima im Garten, musste der Rest des Rudels im Haus bleiben, waren diese draußen, war Alima im Haus. Unsere Waschküche diente dabei als "Schleuse". Erfreulich dabei: Alima erkundete auch vorsichtig und neugierig das Erdgeschoss im Haus und genoss es sichtlich, ruhig und entspannt im Wohnzimmer zu liegen. |
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| 03.09.: Heute unternahm meine Frau Mirja einen Außenspaziergang mit Alima an der Leine. Es funktionierte hervorragend. Nur wenn sich andere Menschen oder Hunde zu sehr näherten, geriet Alia in Panik. | |||
| 05.09.: Wir beschlossen in unserem Garten ein Gehege aus Bauzaunelementen zu bauen, um Alima eine Rückzugsmöglichkeit zu geben und das Kennenlernen mit unseren "Althunden" zu erleichtern. Ich durfte Material besorgen, Mirja "opferte" ein Teil ihrer Blumenrabatte. | |||
| 10.09.: Alima begann auch zu mir als Mann Zutrauen zu fassen. Wurststücke nahm sie aus meiner Hand und sie liess sich anfassen, ohne sofort ihre Rute zwischen die Beine zu klemmen. | |||
| 12.09.: Heute erhielten wir vom Verein "Herdenschutzhunde-Service" erste Hintergrundinformationen über Alima. Sie wurde 1999 im Alter von 6 Monaten in einer geschlossenen Holzkiste (wohl per LKW) aus der Türkei eingeschmuggelt. Das Ziel war wohl von vornherein der Zweck einer Kangalzucht in Deutschland. Für einen recht hohen Betrag wurde sie damals an die "Kangalzüchter" in Twistringen verkauft. Schon bald musste sie jedoch die Erfahrung machen, dass Menschen auch Fußtritte in den Bauchbereich bedeuten können. Problematisch soll ihr Umgang mit anderen Hunden und Kindern sein. Ihr letzter Welpenwurf war Anfang 2007. | |||
| 14.09. Alima bereitet immer mehr Freude. Heute hatte ich Rinderherzen von unserem Schlachter mitgebracht. Eines habe ich in Stücke geschnitten und Alima gerufen. Ihren Namen verknüpft sie schon. Sie blieb dann so ca. 2m vor mir stehen und schaute mich nur an. Ich hielt ein Fleischstück in meiner Hand. So nach und nach kam sie immer näher, schnappte sich das Fleischstück, lief wieder zurück und fraß. Das wiederholte sich eine Weile, bis sie irgendwann vor mir sitzen blieb und die Fleischstücke einzeln fraß. Als sie fertig war rieb sie ihren Kopf an meinem Knie und schaute mich erwartungsvoll an, ob es denn nicht mehr gäbe. | |||
| 15.09. So, das Gehege für Alima ist fertig (nur die Hütte fehlt noch). Wir holten also Alima und brachten sie hinein. Da sie dort einen zufriedenen Eindruck machte, dachten wir "probiert doch einmal die Reaktion aus, wenn einer unserer anderen Hunde auf der anderen Seite des Zaunes steht". | |||
| Wir holten also unseren Sparky (kastrierter Kangalmixrüde) aus dem Haus und siehe da, beide beschnüffelten sich, doch sonst nur Rutengewedele. Sparky also wieder zurück und zwei andere, Kimba (türkische Straßenhundmix-Hündin, kastriert) und Zeycan (Kangal/Mastino-Rüde, kastriert) geholt. Auch hier von keiner Seite ein Problem. (Dazu muss ich vielleicht noch sagen: Alima ist derzeit läufig und bietet sich allen Hunden bereitwillig an.) |
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| Nun aber das schärfste: Meine Frau öffnete die Gehegetür (ich stand mit einem Wassereimer bereit) und alles lief ......... ..... bestens. Unsere Hunde machten Alima gegenüber eine Spielaufforderung mit der sie zunächst zwar nichts anfangen konnte, doch nach einer halben Stunde spielten sie Fangen im Garten. Einzig unsere Kangalhündin Shira, die recht dominant ist, haben wir heute noch im Haus gelassen. Der Versuch kommt morgen. | |||
| 16.09.: Nachdem die gestrigen Zusammenkünfte ohne Probleme abgelaufen waren, kam heute nun der letzte mit unserer kastrierten Hündin Shira. Sie hatte in der Vergangenheit schon einmal etwas "zickig" auf andere Hunde reagiert und so waren wir gespannt, wie sie den neuen Eindringling in ihr Revier beachten würde. Riechend kennenlernen konnten sich die beiden ja schon längere Zeit. Zunächst wieder der erste Kontakt durch das Gehegegitter. Auch hier wieder freundliches Interesse. | |||
| Die Tür wurde also geöffnet und kurz darauf tobte ein 5er-Rudel durch unseren Garten. Wir waren wirklich erleichtert. So schnell und unkompliziert hatten wir uns das nicht vorgestellt. Auch der anschliessende gemeinsame Gang in das Haus brachte keinerlei Probleme. Einzig die derzeitige Läufigkeit von Alima benötigt noch etwas Aufmerksamkeit. Einmal hinsichtlich "neugieriger" Rüden aus der Nachbarschaft, zum anderen, weil die restlichen Hunde ein recht gesteigertes "Schnüffelinteresse" haben. Die Hauptarbeit in der nahen Zukunft mit Alima wird wesentlich darin liegen, ihr die Angst vor lauten Geräuschen aus der Umgebung und das Zusammentreffen mit anderen Menschen und Hunden zu nehmen. |
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| Wir können jedenfalls jetzt schon sagen, dass die Mühe und Arbeit mit dieser älteren Zuchthündin auch uns viel Freude zurückgegeben hat. | |||