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Im Juni 2003 erschien dann
auf der Homepage von Tierhilfe Grenzenlos ein Bild eines ca. 4-5 Monate
alten Kangalwelpen mit der Bemerkung „Natalie sucht ein Zuhause“. Mich
berührte diese Hündin sofort, doch bei den vorhandenen 4 Hunden
schlossen wir einen zusätzlichen damals noch aus. Im September erschien
dann die nächsten Bilder von Shira (Natalie) im Internet. Sie saß
immer noch im Tierheim, allerdings recht abgemagert und mit verletztem
rechten Hinterlauf als Folge einer Beißerei mit anderen Hunden.
Nun gab
es für mich kein Halten mehr. „Diese Hündin muss dort raus!“ war
meine Mitteilung an unsere Familie. Leika war ein paar Wochen vorher altersbedingt
gestorben, so dass wir wieder einen zusätzlichen Hund aufnehmen konnten.
Hierbei kam für mich ein Transport per Flugzeug allerdings nicht in
Frage. Diese Hündin dem Streß in einer engen Transportbox mit
den Wartezeiten vor dem Abflug und nach der Ankunft aussetzen? Niemals! Also
blieb nur ein Landtransport per PKW. Vorab „tauften“ wir die Hündin
schon einmal in Shira um, da uns dieser Namen zu ihrer Herkunft und als Rufname
passender erschien. Unser Transportfahrzeug So könnten
wir uns während der langen Fahrt am Steuer abwechseln, um die Tour
nicht zu sehr in die Länge zu ziehen. Zeitlich kamen daher nur die
Herbstferien im Oktober in Frage. Ich kündigte also mein Vorhaben im
Tierheim an, damit dort auch die erforderliche Impfung durchgeführt
und eine Ausfuhrgenehmigung beantragt werden konnte. Als Abfahrtermin hatten
wir uns den 16. Oktober gesetzt. Voll Vorfreude bepackten wir den Bulli mit
Proviant für uns und Hilfsgütern für das Tierheim. Doch: es
kam anders. Teemu erkrankte am Vorabend der Abreise. Was nun? Shira wollte
ich nicht länger im Tierheim sitzen lassen. Alleine fahren war auch
schlecht, da ich dann wegen der erforderlichen Schlafpausen zu lange unterwegs
gewesen wäre. Einen normalen PKW-Fahrer erschien mir wegen der Transportereigenschaften
des Bullis in Verbindung mit der ungewohnten Sitzposition oberhalb der lenkenden
Räder auch nicht für sehr geeignet. Ich setzte als letzte Hoffung
am Donnerstag Vormittag in einem Bulli-Forum
einen Hilferuf: „Hallo
Leute! Ich hatte gestern voll Vorfreude meine Abfahrt nach Istanbul angekündigt
und eigentlich wollte ich zu dieser Zeit schon südlich der Alpen sein.
Doch: "erstens kommt es anders und zweitens als man denkt". Mein vorgesehener
Bei-/Mitfahrer bekam gestern gesundheitliche Probleme und kann nicht fahren.Allein
will ich die 2.500km nun auch nicht angehen. Deshalb einfach eine Frage,
gibt es hier jemanden, der mitfahren kann/möchte? Voraussetzung: Führerschein,
Reisepass mit mind. 3 Monate Gültigkeit, sowie Freude am Bullifahren
ohne Hektik.Kosten entstehen dabei nicht. Zeitdauer: voraussichtlich von
heute/morgen bis Mitte nächster Woche. Zur Erläuterung: Es handelt
sich dabei um keine Urlaubs-, Schmuggler- oder Geschäftsreise. Der Anlass
ist ein Hilfsgütertransport für ein Tierheim in Istanbul und der
Rücktransport einer Hündin. Ich würde mich freuen, wenn die
vorgesehene Tour doch noch starten könnte. Kontaktaufnahme zu mir: entweder
hier oder besser noch über Handy 0170 9477 ...“ Natürlich
hatten viele zum Jahresende keine freien Urlaubstage mehr, doch um 14.00
meldete sich ein mir bis dahin total unbekannter Jürgen positiv. Nur:
Er hatte keinen gültigen Reisepass, der jedoch für einige Balkanländer
unbedingt Voraussetzung war. Dann der Hinweis: „Ein vorübergehender
Reisepass wird beim Ordnungsamt sofort ausgestellt!“ Jürgen vergewisserte
sich telefonisch bei seinem Amt und bekam dort die Auskunft, dass
dies am Freitag Vormittag möglich sei. Wir vereinbarten also, dass
ich ihn am Freitag in Düsseldorf abhole, um dann nach Istanbul durchzustarten.
Freitag Vormittag erhielt ich seinen Handy-Anruf aus dem Ordnungsamt: „Alles
klar! Ich stehe schon in der Warteschlange für die Passausgabe!“ Nach
diesem Anruf fuhr ich endgültig los in Richtung Düsseldorf. Natürlich
war ich nun gespannt, was für ein Mitfahrer mich erwartet. Immerhin
mussten wir es ja ca. 5-6 Tage fahrend und schlafend miteinander im Fahrzeug
aushalten. Um so erfreuter war ich, als nach meinem Klingeln an seiner Haustür
ein sympathischer Mensch in etwa meinem Alter öffnete und mich dann
zu einer Tasse Kaffee und einem ersten Kontaktgespräch einlud. Um ca.
16.00 Uhr machten wir uns dann von dort aus auf den langen Weg nach Istanbul.
Abwechselnd
fahrend und schlafend hatten wir nach 1.200km die Alpen passiert und legten
von 3.00 bis 7.00 Uhr eine Rastplatzpause in Österreich ein. Erfreulicherweise
kamen Jürgen und ich gut miteinander aus. Kein Wunder, waren wir doch
beide Bulli- und Hundebesitzer. Weiter ging es dann über Slowenien,
Kroatien und Serbien nach Bulgarien. Am Sonntag pausierten wir dann
von 3.00 bis 6.00 Uhr hinter Sofia noch einmal. Der Tacho zeigte mittlerweile
2.350 gefahrene km an. Der Bulli lief bis dahin ohne Mucken und auch die
Grenzübergänge erfolgten problemlos. Bei Edirne, am Grenzübergang
in die Türkei, kam es dann zum ersten längeren Aufenthalt. Ca.
90 Minuten dauerte die Abfertigung. Der Grund waren wohl die vielen „Privattransporte“
zwischen Rumänen und Türken. Gegen 15.00 Uhr ereichten wir dann
den Großraum Istanbul. Nun wurde es noch einmal spannend. Wir hatten
mit Berrin (Tierheimleiterin) abgesprochen zu ihrem Privathaus zu fahren,
das jenseits der großen Bosporusbrücke im asiatischen Stadtteil
von Istanbul liegt und wo wir auch freundlicherweise übernachten durften.
Dazu hatte ich telefonisch eine Fahrtanweisung bekommen, die ich mir skizziert
hatte. Fahranweisung
für Istanbul Jürgen
konnte mich damit gut durch den doch recht heftigen Istanbuler Verkehr lotsen
und so erreichten wir nach 3.200km Fahrt ohne Umwege um 16.00 Uhr unser
Ziel. Hier wurden wir sehr freundlich von Berrin und ihrem Mann begrüßt.
Nach nunmehr 48 Stunden Fahrt haben wir zunächst erst einmal ausgiebig
geduscht, ehe wir uns beim Begrüßungsessen von Berrin verwöhnen
ließen. Montag Früh lotste Berrin uns dann in ihr Tierheim, dass
ca. 20km außerhalb von Istanbul liegt. Obwohl mich Mirja vorgewarnt
hatte und ich schon Bilder kannte, war mein Entsetzen doch recht groß.
Die Wirklichkeit sieht eben oft schlimmer aus, als es Bilder zeigen können.
Wir luden
zunächst einmal unsere Hilfsgüter (Decken, Medikamente, Futter)
aus und machten einen Rundgang. Eine für mich unübersehbare Hundemenge
bevölkerte das Gelände. Für die meisten war kein überdachter
Zwingerplatz vorhanden – das Tierheim war (und ist es noch heute) ja noch
im Aufbau. Die wenigen Helfer versuchten alles in ihren Kräften stehende,
um zumindest die Grundversorgung der Tiere zu gewährleisten. Auch ein
Tierarzt war vor Ort. Nur: Irgendwann sind die Kräfte natürlich
am Ende. Sie reichten z.B. nicht mehr für die Beseitigung von Kot und
Urin. Hier musste dann heftiger Regen helfen. Und im Sommer in der trockenen
Jahreszeit??? Als mir Shira gezeigt wurde, entschloss ich mich dann spontan,
SOFORT mit ihr die Rückreise anzutreten. Sie lag in einem kleinen,
ca. 3x1,5m großen Raum auf einer Holzpalette, verdreckt, stinkend,
mit verletztem Hinterlauf und schaute mich (wie ich meinte) mit unermesslich
traurigen Augen an. Nein, nicht eine Minute länger sollte sie hier bleiben!
Ich teilte meinen Wunsch Berrin mit, die natürlich recht enttäuscht
war, dass wir uns so schnell auf den Rückweg machen wollten. Glücklicherweise
waren alle Impfnachweise und die Ausfuhrgenehmigung schon vorhanden.
Shira kam also in den Bulli und Jürgen und ich machten uns mit ihr
auf den Rückweg nach Deutschland.
Nachdem sich Shira einigermaßen bei uns eingelebt hatte und wir so nach und nach ihren Futter-Nachholbedarf stillen konnten, stand als nächstes eine Vorführung bei unserer Tierärztin an. Shira hinkte immer noch rechts hinten und wir wollten einfach Gewissheit haben, was die Ursache dafür ist. Sie kam also rücklings auf den Röntgentisch, um eine Aufnahme ihrer Hüftgelenke und der Beinknochen machen zu können. Das Ergebnis war erfreulich. Beide Hüftgelenke 100%ig in Ordnung und auch die Beinknochen unverletzt. Die Ursache für das Hinken war wohl in einer Muskelverletzung durch eine Beißerei im Tierheim begründet. Shira bekam noch eine Vitamin- und eine Antibiotikaspritze verabreicht und für ihr Futter in den nächsten Wochen noch Muschelkalkzusätze um ihr Defizit beim Knochenaufbau auszugleichen. Ihre Körperdaten an diesem Tag: Schulterhöhe: 72cm, Gewicht: 34kg. Wir jedenfalls waren mit unserer Transportaktion
zufrieden und unser „Familienrudel“ damit auf vier Menschen und vier
Hunde angewachsen. Im November habe ich Shira dann kastrieren
lassen. Ihre erste Hitze war vorbei und vor einer überraschenden Vermehrung
wollte ich uns schützen. Die Tierärztin wurde auf die Narkoseproblematik
bei Hirtenhunden hingewiesen (diese reagieren recht empfindlich) und so wurde
Shira vormittags operiert. Als ich sie nach erfolgreicher Durchführung
am Nachmittag abholte, war Shira natürlich noch benommen und musste
in den Bulli getragen werden. Natürlich versuchte sie anschließend
den ihr unbequemen und lästigen Verband zu entfernen.
Jüngstes Mitglied in der Familie Schaper |
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