Hier will ich nun von Otto's Leben in der Hundepension, den Erziehungs- und Sozialisierungsmaßnahmen der angestrebten Vermittlung auf einen geeigneten Endplatz und (falls möglich) seinem weiteren Leben berichten. Da sich dies über einen längeren Zeitraum hinziehen wird, schreibe ich chronologisch in Tagebuchform. 2005 15.11. Erste kurze Rückmeldung von Mirjam Cordt: Die erste Nacht verlief ruhig, Otto frisst normal, ist sehr verspielt, aber auch recht unsicher seinem Umfeld gegenüber. 17.11. Bericht M.C.: Otto ist vom Wesen her ein unsicherer Hund, dabei jedoch freundlich, zutraulich und zuwendungsbedürftig. Sie haben zunächst mit vertrauensbildenden Maßnahmen begonnen, um Otto mehr Selbstsicherheit zu geben. Dazu gehört z.B. das Laufen durch eine dunkele Röhre, an deren anderen Ende jemand mit Wurststücken steht und den Hund nach dem passieren der Röhre lobt. Nach anfänglichen Überlegen war das für Otto kein Problem. Der mir erklärte Grund für diese Selbstsicherheitsübungen: Ein Hund sollte, bevor er frei mit anderen Hunden in einer Gruppe zusammenkommt, möglichst keine eigene Unsicherheit haben, da dies dann in Angstbeißerei ausarten kann. 22.11. Bericht M.C.: Die vergangen Tage mit Otto sind unauffällig verlaufen. Heute sollte er das erste Mal mit einem anderen Pensionshund frei zusammengebracht werden. Ausgewählt wurde dazu der Kangalrüde „Raschid“, 6 Jahre alt. Raschid war aus einem Tierheim in die Obhut des Vereins „animal learn - Häuser der Hoffnung e. V.“ gekommen. Im Tierheim hatte er sich schon aufgegeben und konnte nur noch mit Maulkorb wegen angeblicher Bissigkeit ausgeführt werden. Zunächst wurden beide noch getrennt durch einen Zaun einander bekanntgemacht und nachdem keiner in irgendeiner Weise ablehnend oder aggressiv reagierte, im Freigehege zusammengeführt. Nach kurzer vorsichtiger Annäherung tollten sie ausgiebig spielend miteinander herum. Geplant ist nun, beide in den kommenden Tagen in einem gemeinsamen Schlafraum unterzubringen.
26.11. Bericht M.C.: Otto und Raschid kommen nach wie vor gut miteinander aus. Bis: Sobald Otto einen anderen Hund in der Nähe bemerkt, baute er eine gewisse Anspannung auf, die sich in einem Umschnappen (in dem Fall gegen Raschid) äußerte. Raschid findet dies selbstverständlich wenig nett, reagierte aber ausgesprochen moderat darauf. Also heißt unser nächstes Trainingsziel, diese Anspannung bzw. das Umschnappen zu korrigieren, womit wir auch schon angefangen haben.
05.12. Bericht M.C.: Ottos Unmut, andere Hunde zu nah zu sehen und dann auch umzuschnappen (wie bei Raschid geschehen, als er andere Hunde auf dem Weg sah) sind wir schon recht gut angegangen, er wirkt zunehmend entspannter, und es ist deutlich zu sehen, dass die Assoziationsänderung (andere Hunde = Belohnung und gute Gefühle und nicht negative Gefühle wie sinnloses Runterdrücken, Leinenruck oder ähnlichen Schwachsinn) greift. 07.12. Otto steht nunmehr seit 7 Wochen im Internet, auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Bislang war die Resonanz gleich Null. Es war zwar von vornherein vorgesehen, ihn einige Wochen in der Hundepension von Mirjam Cordt unterzubringen und zu sozialisieren, doch allmählich mache ich mir schon Gedanken. Ewig darf der jetzige Zusatnd nicht bleiben. Ein Hund gehört nach meiner Ansicht in eine Familie! Der Tierschutzverein "animal learn - Häuser der Hoffnung e. V." zeichnet ja freundlicherweise für die Unterbringungskosten und freut sich natürlich über jeden Euro als Spende. 12.12. Bericht M.C.: Viel neues gibt es nicht zu berichten. Otto ist einfach ein feiner Kerl, bei dem ich es mir nach diesen Tagen des Kennenlernens und der Arbeit miteinander einfach nicht vorstellen kann, warum er eingeschläfert werden sollte.
14.12. In der Dezemberausgabe der österreichischen Hundezeitschrift "WUFF" erscheint ein Artikel von Clarissa v.Reinhardt über die Rettung von Otto. Hier bin ich nun gespannt auf Reaktionen
29.12. Ein letzter Bericht in diesem Jahr: Otto geht es in der Hundepension nach wie vor gut. Mit Raschid versteht er sich immer noch. Beide haben einen neuen Freund bekommen, einen Kooikerhondje-Rüden. Auch mit einer zierlichen Windhündin war Otto schon zusammen und hat sich sehr gentlemanlike benommen. Man kann also mittlerweile mit Fug und Recht davon ausgehen, dass Otto sich in eine neue Familie und auch an vorhandene Hunde integrieren kann. Eine mögliche Katzenverträglichkeit konnte noch nicht getestet werden. 2006 09.01. Mit einer erfolgreichen Vermittlung können wir zwar nicht in das neue Jahr starten, doch immerhin mit weiteren erfreulichen Bildern von Otto und einem weiteren Spielgefährtin von ihm, der liebenswerte "Dampfwalze" Merlin. Die beiden hatten einen Riesenspaß! Ansonsten: Otto ist nach wie vor ein wirklich feiner Kerl, der eine klare, freundliche Führung bracht, da sonst seine Unsicherheit mit ihm durchzugehen droht, was wohl in der Vergangenheit das eigentliche Problem war. Er wird zusehendst sicherer mit anderen Hunden und sollte doch nun endlich sein endgültiges Zuhause finden.
20.01. Otto befindet sich zwar immer noch bei Mirjam Cordt, doch gewinnt neue Hundefreunde und hat seinen Spaß mit ihnen. Wirkliche Probleme gibt es nicht (abgesehen von seiner Abneigung gegen eine intensive Fellpflege). Eventuell ist demnächst ein Frisör mit „Kahlschlag“ angesagt, um die Verfilzungen der Unterwolle erfolgreich beenden zu können.
16.02. Heute habe ich die Hundezeitung „WUFF“, Ausgabe 2.06 in die Hände bekommen. Auch dort ist Otto noch ein Thema. Diesmal in Verbindung mit leichtfertigen Hundeimporten und einer unsachgemäßen Weitervermittlung.
24.03. Mirjam Cordt konnte für Otto einen neuen Endplatz finden. Er hat sich dort inzwischeneingelebt und geniest nun wieder ein Familienleben. Ich drücke ihm die Daumen, dass sein künftiges Leben nun in etwas ruhigeren Bahnen verläuft.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||