Einleitung Kasernengelände Behörden Hilfsaktionen Reaktionen

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aktualisiert am 06.04.
Als ich das erste Mal von Vitzeroda hörte, musste ich mich zunächst einmal orientieren, wo dieser Ort liegt. Ich geriet so ziemlich in die Mitte von Deutschland in den äußersten westlichen Teil von Thüringen. Dort finde ich die Stadt Berka mit ihrem Ortsteil Vitzeroda
Beide gehören zum Wartburgkreis, einem touristisch sehr ansprechenden Gebiet. Interessant auch: Aus dem Verlauf des ehemaligen DDR-Grenzstreifens wurde dort ein Wanderweg geschaffen, der zudem ein einzigartiges Biosphärenreservat darstellt.
Man sollte also meinen, ein Landkreis, der sich dem Tier- und Artenschutz verschrieben hat. Die ehemalige innerdeutsche Grenze hatte allerdings auch noch andere Hinterlassenschaften wie z.B. die zahlreichen Kasernengebäude, die sich lange Zeit selbst überlassen blieben, teilweise abgerissen, teilweise für die seltsamsten Zwecken genutzt wurden (und werden).
So auch in Vitzeroda. Hier kam eine Frau vor ca. 15 Jahren auf die Idee, die ehemaligen Mannschaftszimmer der Kaserne zu „Hundezwingern“ umzufunktionieren. Kaum jemand nahm zunächst davon groß Kenntnis.
Dies änderte sich am 02.12.2009, als ein Artikel in der örtlichen Presse erschien, der diese Tierhaltung zum Thema hatte und eine große Resonanz im world-wide-web auslöste.
Einerseits Unverständnis, wie es zu einer solchen eskalierten Situation kommen konnte, andererseits aber auch spontane Hilfsangebote hinsichtlich Sachspenden und Tieraufnahmen. Kaum jemand hinterfragte die Gegebenheiten vor Ort, den Zustand der Tiere und deren Besitzverhältnisse. Zunächst war einfach Hilfe angesagt.
Ich selber wurde auf die Vorgänge erst so richtig aufmerksam, als plötzlich die Hilfsmaßnahmen (insbesondere die Vermittlung der Hunde und deren medizinische Versorgung) ins Stocken geriet. Augenscheinlich durch die Betreiberin der „Hundekaserne“ selber. Ein Grund für mich, den Versuch zu unternehmen, die Hintergründe dieser Geschichte „aufzudröseln“, ohne mich auf die rührselige Darstellung in der Presse zu verlassen.
 
Der Halter der Hunde in der ehemaligen Grenzschutzkaserne war schnell ausgemacht. Es handelt sich einmal um eine Dame, die schon weit früher negativ mit ihrer Tierhaltung aufgefallen war. 1996 im Ort Herbstein (Vogelsbergkreis).

Ein schneller Umzug in einen anderen Bundesland (und in den Zuständigkeitsbereich eines anderen Veterinäramtes) war damals sicher „angesagt“ und so tauchte die Dame in Vitzeroda auf und fand für ihre Tiere Unterschlupf in der besagten Grenztruppenkaserne. Ein recht heruntergekommenes Gebäude, ohne Anschluss an die öffentliche Strom- und Wasserversorgung, mit defekten Fenstern, die dann teilweise einfach mit Brettern zugenagelt wurden. Und in die Zimmern der ehemaligen Grenzsoldaten wurden nun, verteilt auf 2 Etagen, die Hunde gestopft.

Aus den ursprünglich „einigen Hunden“ (siehe Zeitungsartikel vom 2.12.09) wurden schnell 200 Hunde und mehr. Über das „warum“ muss nicht groß gerätselt werden. Einige kamen sicher von außen dazu, ein Großteil vermutlich durch die „lustvolle“ Eigenvermehrung, da für Kastrationen nie Geld und ein wirklicher Wille vorhanden waren.
Für mich nur verwunderlich, warum das nun zuständige Veterinäramt Wartburgkreis hier nicht schon längst eingegriffen und dem Spuk ein Ende bereitet hat. Dem Tierschutzgesetz (§1, §2, §11) und der Tierschutzhundeverordnung (§2, §5, §8) entspricht eine solche Haltung m.E. jedenfalls nicht.
Ende 2008 (mehr als 10 Jahre nach Einrichtung der „Asylkaserne“) hatte dann die Betreiberin wohl die „rettende Idee“: „Ich gründe einen gemeinnützigen Verein und komme damit an Spendengelder.“ Eine solche Idee ist ja nicht neu und wird mehr oder weniger (eher weniger) von vielen Tierschutzvereinen aufgegriffen. Sie fand auch die notwendige Handvoll Gründungsmitglieder, am 10.01.09 wurde eine Gründungsversammlung abgehalten, die Satzung verabschiedet und an das zuständige Amtsgericht (Bad Hersfeld) eingereicht. Dort wird es unter der Nr. VR1709 geführt. (Für mich ist hier nur etwas verwunderlich, warum als Vereinssitz 36284 Hohenroda -ein anderes Bundesland- und nicht 99837 Berka aufgeführt ist)

Über das Amtsgericht sind natürlich auch die Satzung und der Vereinsvorstand abzurufen. Die „Führungspersonen“ des Vereins sind schon interessant und sprechen von einem „lebhaften“ Vereinsleben.

1. Vorsitzende ist Frau Marietta Praß-Causevic (eben die mit der Vergangenheit in Herbstein)
2. Vorsitzender ist Herr Guido Henn (jedenfalls für das Amtsgericht). Inzwischen muss er sich wohl schon verabschiedet haben, denn derzeit bezeichnet sich ein Herr Tino Wenzel als 2. Vorsitzender. (Anmerkung dazu hier unter 04.03.10)
Kassenwart ist ein Herr Rüdiger Trott. (Nach meinen Informationen hat er sich inzwischen aber auch schon ausgeklickt)
Wirklich wichtig sind diese Vereinsinterna für die Situation der Kasernenhunde ja nun nicht, wäre da nicht noch folgende Problematik, die mir schon bei anderen sogenannten „Gnadenhöfen“ und deren Unterstützervereinen aufgefallen sind:
A) Betreiber/Besitzer eines „Gnadenhofes“ und Vereinsvorsitz in Personalunion. (hier ist eine saubere Trennung oft schwierig)
B) Die Besitzverhältnisse der Tiere. Gehören die dem Verein, oder dem Betreiber? (ich komme später darauf zurück)
C) Eine grundsätzlich vorhandene gesunde finanzielle Basis, um einen Gnadenhof mit mehr als 100 Tieren betreiben zu können. (natürlich ist das in der Regel nur mit Spenden möglich, doch müssen diese m.E. auch einigermaßen gesichert sein, ehe ein solches Projekt beginnt)
 
Dies war/ist der Stand der Dinge in Vitzeroda, als im Dezember 2009 der Hilferuf in der örtlichen Presse erschien (s.o.).
 
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Seit dem Presseaufruf sind 15 Wochen vergangen und heute ist der 16. März 2010.
Was hat sich seitdem getan? In einem kurzen Überblick:
Futterspenden kamen auf dem Kasernenhof an.
Tierfreunde von außen haben geholfen, etwas aufzuräumen.
Ca. 70 Hunde konnten das Kasernengelände verlassen. (näheres dazu hier)
Derzeit stockt jedoch weitere Hilfe, weil sie von der „Gnadenhofbetreiberin“ augenscheinlich nicht angenommen wird. Die Behörden des Wartburgkreises und des Thüringer Landesamtes „mauern“ und vermitteln den Eindruck, „dass alles nicht so schlimm sei“. Nun ja, jeder Mensch hat seine eigene Betrachtungsweise, ich jedenfalls kann es mir einfach nicht vorstellen, dass sich die verbliebenen Resthunde (es dürften noch über 60 sein) hier wohlfühlen und artgerecht untergebracht sind.
 
Mit dem Image des Wartburgkreises (Zitat) - „Willkommen im „Grünen Herzen Deutschlands“! – hat das meines Erachtens nur wenig zu tun.
 
Doch wer kann hier nicht besser Auskunft geben, als die zuständige Behörde "Regionalentwicklung" im Wartburgkreis?
Ich frage einmal per mail nach:
"Guten Tag, wie können Sie Ihre berechtigte Werbung für den schönen Wartburgkreis mit diesen Zuständen unter einen Hut bekommen?"
 
17.03.: Umgehend erhalte ich auch eine Antwort, die mich jedoch etwas nachdenklich werden lässt. Da der Absender in seiner mail schreibt,
„Diese E-Mail enthält vertrauliche und/oder rechtlich geschützte Informationen.(welche denn?) Das unerlaubte Kopieren ist nicht gestattet.“
beschränke ich mich auf die Kernaussage, die da lautet:
"Weil die optisch sichtbaren Zustände im Gnadenhof nicht repräsentativ für den ästhetischen Eindruck des Wartburgkreises sind, kann ich das sehr gut unter einen Hut bekommen."
Na toll! Wegschauen scheint hier die Devise zu sein. Ob der gute Mann wohl ein Hundehalter ist? (Ich glaube nicht)
 
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19.03.: Um den Versuch zu unternehmen, etwas Klarheit in die Besitzverhältnisse der Tiere auf dem Kasernengelände zu schaffen und den sog. "Unterstützerverein" etwas Transparenz zu geben, wurde eine neue Unterseite "Verein" eingerichtet.
 
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21.03.: Die Reaktion des Büros "Regionalentwicklung" vom 17.04. hat mich schon etwas geärgert. Ob die anderen politisch Verantwortlichen im Wartburgkreis ebenso denken? Ich beschließe das herauszufinden und versende eine mail an den Landrat und 18 weitere Mandatsträger aller vertretenden Parteien im Wartburgkreis.
 
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28.03.: Die Mails vom letzten Wochenende haben keine Reaktion ergeben. Laufen Hunde im Wartburgkreis "unter ferner liefen"?
In den nächsten Tagen habe ich einige interessante Gespräche und werde dann (hoffentlich) positives berichten können.
Ergebnis: Bis auf das positive Engagement der Vet.-Amt-Leiterin sind von politischen Mandatsträgern keine Reaktionen gekommen.